Projekte - Völklinger Plätze Kunst

Nikola Dimitrov und die Stadt Völklingen
Karl-Heinz Schäffer, VHS-Direktor und Fachdienstleiter Kultur der Stadt Völklingen lud Nikola Dimitrov im Jahr 2000 zu einem Projekt ein, das Kunst unter Einbeziehung der Bürger und der Stadtteile in den öffentlichen Raum verlagert. Mit einem spannenden Kulturprogramm wurde das Projekt Völklinger Plätze Kunst ins Leben gerufen, zu dem Henner Wittling, Arbeitsdirektor Saarstahl AG in dem Vorwort zu Das Projekt in der Publikation Nikola Dimitrov Völklinger Plätze Kunst schreibt:

Nikola Dimitrov, Deckbild Völklinger Plätze Kunst, 9-teilig, 320 x 300 cm, Acryl auf Leinwand
Die spannende Berührung von Kunst und Alltag
Von der Stadt Völklingen beauftragt, ein künstlerisches Porträt der Stadt zu schaffen, begann Nikola Dimitrov im Juli 2000
eine intensive kreative Auseinandersetzung mit der alten Hüttenstadt und ihrer von Spannungen und Kontrasten bestimmten Realität.
In seiner abstrakten Bildersprache sollte Dimitrov die divergierenden Ansichten der Stadt zu einem fassettenreichen Spiegel
zusammenfügen: die Gegensätze zwischen dörflichen Stadtteilen und dem Zentrum, zwischen Natur und Industrie, zwischen Alt
und Neu, zwischen Aufbruch und Stagnation.
Von der Bestandsaufnahme mit dem Auge des Künstlers versprach man sich eine ebenso unvoreingenommene wie rückhaltlose
Darstellung der inneren und äußeren Befindlichkeit der Stadt. Erklärtes Ziel war es dabei, die Kunst im öffentlichen Raum
anzusiedeln - und zwar nicht nur in ihrem Endergebnis, sondern auch in ihrer Entstehung.
Das Konzept entwickelte der Leiter des Kulturamtes der Stadt, Karl-Heinz Schäffner. Er wollte mehr als Kunst zum Anfassen.
Ein an Kunst nicht interessiertes Publikum wollte er mit einem abstrakten malerischen Abbild seiner Umwelt außerhalb des
elitären Rahmens der Museen konfrontieren.
Nachdenken, Fragen, Meinungsbildung sollten angeregt werden, die Vorstellungen von Kunst hinterfragt, aber auch der Blick
für die Wahrnehmung des Lebensumfeldes geschärft werden. Bewusstsein sollte entstehen für das Typische, das Schöne und Sehenswerte,
das Abstoßende und Deformierte. Aus der Teilnahme sollte Teilhabe entstehen: an der möglichen Veränderung, am Entwerfen neuer
Perspektiven, an der Schaffung einer zukunftsorientierten Identität.
Der ausdrückliche Wunsch der Stadtteile war es, ein Gesamtbild der Stadt zu schaffen und damit Brücken zu schlagen zwischen
der Kernstadt und ihrer Peripherie, zwischen den sich fremden Stadtteilen, zwischen den Verantwortlichen und den Bürgern.
Dahinter stand der Wille zur Entdeckung einer gemeinsamen, die unterschiedlichen Interessen vereinenden Erfahrung.

Nikola Dimitrov, Völklinger Plätze Kunst: City-Fürstenhausen, Fenne, Hermann-Röchling-Höhe, City-Lauterbach, je 200 x 100 cm, Acryl auf Leinwand
Maler und Publikum auf einer gemeinsamen Erkundungsreise
In dem auf drei Jahre angelegten Projekt gab es Phasen intensiven Kennenlernens der Stadt und ihrer Menschen: Vom 3. bis
zum 14. Juli 2000 und vom 2. bis zum 13. Juli 2001 arbeitete Dimitrov vormittags an ausgesuchten Plätzen in der Öffentlichkeit
und nachmittags in einem von der Stadt bereit gestellten Atelier in der Fußgängerzone der Innenstadt. Er besuchte und erwanderte
die Örtlichkeiten, sog ihre Ausstrahlung in sich auf, ließ ihre Atmosphäre bei Tag und in der Nacht auf sich wirken.
Es gab vielschichtige Kontakte zu den politischen Vertretern der Stadtteile, zu lokalen Vereinen und Interessengemeinschaften,
die bereitwillig bei Vorbereitung und Umsetzung des Projektes mitwirkten. Und vor allem gab es viele ungezwungene,
das Projekt bereichernde Begegnungen.
In den ersten beiden Jahren entstanden dabei zahlreiche Skizzen, eine umfangreiche fotografische Dokumentation und als
künstlerische Essenz 36 Bilder im Format 200 x 100 cm sowie ein Großgemälde im Format 320 x 300 cm. In zwei Ausstellungen
im Neuen Rathaus wurden die Ergebnisse der malerischen Auseinandersetzung einem breiten Publikum vorgestellt.
Im dritten Jahr gingen die Bilder in mehreren Ausstellungen zurück in die Stadtteile, um erneut die Bürger, die Vereine und
Initiativen sowie die politisch Aktiven in Orts- und Stadtrat und Parteien an dem Prozess der künstlerischen Wahrnehmung und
Darstellung der Stadt zu beteiligen. Gezeigt wurden die Bilder in Hallen, Banken, dem Klärwerk der Stadt, in christlichen
Kirchen und auch in der Moschee der türkischen Mitbürger.
Überall entspann sich in einer offenen Atmosphäre eine rege Diskussion über die künstlerischen Intentionen, die gewählten
Techniken und die Bearbeitung der Motive. Bei diesem erneuten Dialog zwischen Bevölkerung und Künstler zeigte sich, dass
es durchaus Aufnahmebereitschaft gab und ein Lernprozess stattgefunden hatte. Das Projekt hatte also einen fruchtbaren
Boden für weitere Aktionen bereitet.
Für alle Beteiligten war es ein Experiment mit vielen Ungewissheiten und außerordentlichem Reiz, befrachtet mit hohen
Erwartungen und reichlich Skepsis. Es erwies sich als ein gelungener Anfang, der zu weiteren Schritten auf dem Weg zu
einer öffentlichen, bürgernahen Themen-Kunst ermutigt.


